Dienstag, Februar 19, 2008

Putzstunde.

Das Taxi-Blog ist über meinen Artikel "Sperrstunden-Regelungen" gestolpert. Der Begriff "Putzstunde" wird in einem gleichnamigen Beitrag mißverstanden (ziemlich lustig auch die Kommentare dazu):
"Während dieser Zeit soll geputzt werden, so sagt es das Ordnungsamt."
Was ist wirklich unter "Putzstunde" zu verstehen?

Der Begriff "Putzstunde" ist in Berlin entstanden, vielleicht weil die Berliner eine besondere Begabung für humorvolle Bezeichnungen haben. Das Gaststättengesetz des Bundes von 1972 verpflichtete die Bundesländern, per Verordnung eine Sperrzeit festzusetzen. In Berlin waren - auch schon bevor der Regierende Bürgermeister lieber feierte als regierte - lange Öffnungszeiten erwünscht. Deshalb wurde eine Sperrzeit von 5 bis 6 Uhr festgeschrieben. So konnte man einerseits der gesetzlichen Anforderung formal genügen, anderseits störte sich kaum jemand daran. Für diese minimale Sperrstunde bürgerte sich in Berlin der spöttische Name "Putzstunde" ein. Natürlich ist kein Gastwirt gezwungen, dann zu putzen oder putzen zu lassen.

Im Laufe der Jahre wurden in vielen Bundesländern die Sperrezeiten verringert, so z.B. im liberalen Bayern, bislang jedoch noch nicht in Baden-Württemberg, und der Ausdruck "Putzstunde" fand auch in den anderen Bundesländern Eingang in die Umgangssprache.

Der aktuelle Stand der Bundesgesetzgebung ist, daß die Bundesländer zwar Sperrzeiten verordnen können, aber nicht mehr müssen.