Donnerstag, Mai 29, 2008

Zu viel investiert.

Zugegeben, es gibt eine gewisse Rivalität zwischen Kulmbach und Bamberg. Man kennt sowas ja aus der Antike, als griechische Städte häufiger gegeneinander in den Krieg gezogen sind. Z.B. versucht Kulmbach sich als Zentrum einer Genussregion Oberfranken aufzuspielen. Siehe dazu: "Verein Genussregion Oberfranken gegründet", in: Forchheim Online vom 28. Oktober 2007.

Auch biermäßig steht man eher auf Kriegsfuß. Kulmbach vermarktet sich als "heimliche Hauptstadt des Bieres". In Bamberg ist man stolz auf seine neun Brauereien (zumindest auf acht davon) und schaut auf Kulmbach mit seiner großen Industriebrauerei und der kleinen Kommunbrauerei, eher lässig herab und sieht sich weniger als "heimliche", denn als tatsächliche Hauptstadt des Bieres.

Insbesondere die Kulmbacher Brauerei AG sieht man mit mißtrauischen Augen. Kulturveranstalter in Bamberg schätzen es zwar, daß sie zu den wenigen Brauereien zählt, bei der das Geld noch locker sitzt und die als Sponsor auftritt. Doch die Besucher dieser Veranstaltungen fragen sich, warum es in Bamberg Kulmbacher Bier zu trinken gibt. Auch der Bamberger Profi-Basketball profitiert davon. So gibt es heute Abend ab 18.00 Uhr in der Bamberger Jako-Arena bei freiem Eintritt auf der Saisonabschlußfeier der Brose Baskets knapp 40 Hektoliter Freibier der Kulmbacher AG, für jeden in der Saison erzielten Punkt einen Liter.

Das Faible der Kulmbacher Brauerei AG, Geld für Marketing aus dem Fenster zu werfen, ist schon immer recht groß gewesen. Legendär ist die "Lange Kulmbacher Filmnacht" am 12. April 1997. Damals wollte man "Kulmbacher edelherb" als bundesweite Pilsmarke etablieren. Um sie bundesweit bekannt zu machen, warb Kulmbacher einen ganzen Fernsehabend lang exklusiv im Fernsehkanal SAT1. Der in Kulmbach geborene Thomas Gottschalk moderierte die "Lange Kulmbacher Filmnacht". Gezeigt wurden ohne Werbeunterbrechung drei Kinofilme, die zuvor im kostenlosen Fernsehen noch nie gezeigt worden sind. Die Fernsehzuschauer waren sehr angetan. Nur das Kulmbacher Bier wollten sie nicht trinken.

Trotz solcher Rückschläge ist die Kulmbacher Brauerei AG in den letzen Jahrzehnten stark gewachsen. Man hat nach erheblichen Investitionen in den neuen Bundesländern alle halb und ganz insolventen Brauereien in der Region, die bei drei nicht auf den Bäumen waren, aufgekauft.

Die Kulmbacher Brauerei AG ist eine Mehrheitsbeteiligung (63%) der Brauholding-International, an der wiederum der niederländische Braureikonzern Heineken 49,9% hält. Auf der 111. Hauptversammlung kam es nun zum Eklat. Der Hauptaktionär weigerte sich, den Vorstand zu entlasten:
"Als Grund wird ein 10-Millionen-Verlust bei der Übernahme der Würzburger Hofbräu angegeben. Auch fehle es an tragfähigen Konzepten, es werde zu viel investiert - kurz: Mit dem Vorstand sie der Weg in eine erfolgreiche Zukunft nicht möglich."
Quelle: "Vorständen der Kulmbacher Brauerei wurde das Vertrauen entzogen", in: TV Oberfranken vom 28. Mai 2008.

Siehe dazu auch einen ausführlichen Bericht über die Hauptversammlung: "Geschäftsjahr 2007 der Kulmbacher Gruppe im Zeichen der Konsolidierung", in: life PR vom 28. Mai 2008. Darin wird der Vorstandsvorsitzende Jürgen Brinkmann zitiert:
"Um aber der demografischen Entwicklung speziell in Oberfranken und Westsachsen entgegenzuwirken, ist es für uns unabdingbar, in an den Rändern unseres bisherigen Kernvertriebsgebiets gelegenen Universitäts- und Großstädten sowie Regionen mit positiver Bevölkerungsentwicklung aktiv zu sein."
Man kann es auch anders ausdrücken. Weil dort, wo das Bier bislang gut distribuiert ist, es immer weniger trinken wollen, muß man seine Vertriebskosten immer mehr aufblähen.