Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, Juni 12, 2008

Lidl gescheitert.

Lidl hat versucht, den kriminellen Milchlieferboykott für sich auszunutzen, und die Preisführerschaft von Aldi anzugreifen. Dieser Versuch ist gescheitert.

Aldi ist der Ankündigung von Lidl, den Preis für Milch ab Montag dieser Woche um 10 Cent je Liter und den von Butter um 20 Cent je 250 Gramm zu erhöhen, nicht gefolgt, hat im Gegenteil seinerseits den Preis gesetzt und nur um 7 Cent je Liter erhöht. Heute, nach nur zwei Tagen und wenn man die Vorbereitungszeit, Anzeigen zu schalten, berücksichtigt, praktisch schon am Montag, mußte Lidl die Preisführerschaft von Aldi akzeptieren und hat seinen Milchpreis dem von Aldi angepaßt.

Unterm Strich hat sich der Milchlieferboykott für die Milchbauern nicht gelohnt:
  • Nur rund 30 Prozent der Milchprodukte geht in den Handel, der Rest in den Export und als Zutat in die Industrie.
  • Der Einzelhandel hat, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil seines Milchproduktesortiments im Preis erhöht.
  • Ob der Handel diese Erhöhungen der Verkaufspreise in Form von höheren Einkaufspreisen an die Molkereien weitergeben wird, ist fraglich.
  • Ob die Molkereien ihrerseits eventuell höhere Gewinne an die Milchbauern weitergeben werden, ist ebenfalls ungewiß.
  • Negativ betroffen auf Seiten der Molkereien sind solche, eher kleinen, meist genossenschaftlich organisierten Molkereien, die auf Milch bestimmter Regionen angewiesen ist, weil sie ihre Milch als Milch aus diesen Regionen vermarktet. Der Konzentrationsprozess unter den Molkereien wird damit beschleunigt.
Wenn man sich den Konflikt genauer anschaut, sieht man: Es ging eigentlich um einen Konflikt zwischen zwei Organisationen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. hat versucht, sich im Verhältnis zum Deutschen Bauernverband eine größere Bedeutung zu erkämpfen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes hat den Milchlieferboykott des konkurrierenden Verbandes sabotiert, indem er seine guten Beziehungen zu Lidl hat spielen lassen und gemeinsam mit Lidl verkündet hat, Lidl werde höhere Milchpreise akzeptieren. Lidl hat diese Chance genutzt, um sein ramponiertes Image aufzumöbeln.

Vergleichen läßt sich dies mit dem Kampf zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und der Transnet bzw. Ver.di oder dem Kampf zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und Ver.di. Eine kleinere Gruppe spezialisierter Marktteilnehmer meint, alleine ihre Interessen besser vertreten zu können als in einem größeren Verband. Leidtragende dieser separatistischen Bestrebungen sind in allen Fällen die Mitglieder, die sich zu Streiks bzw. einem streikähnlichen Lieferboykott haben aufhetzen lassen, und die Kunden.

Unterm Strich: Milch bleibt preiswert. Dies ist auch erfreulich, weil die Bedeutung von Milch in der Gastronomie zunimmt, nicht nur bei Heiß- und Kaltgetränken. Viele Anregungen für die Verwendung von Milch bietet die CMA auf ihrer Website Milch-ist-meine-Staerke.de.