Montag, Juni 16, 2008

Passivrauch-Forschung im Bermudadreieck.

In wenigen Wochen tritt das Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen in Kraft. Ab 1. Juli 2008 darf nur noch vor den Türen geraucht werden, wenn die Gaststätte keine räumliche Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen vorweisen kann.

Die gesundheitsschädlichen Wirkungen des aktiven Rauchens sind heute unbestritten. Mittlerweile ist aber auch klar, dass Tabakrauch in der Luft der bedeutendste vermeidbare Innenraumschadstoff ist und aufgrund seiner toxischen Inhaltstoffe eine Vielzahl von Gesundheitsrisiken bergen kann. Allerdings ist noch nicht bekannt, welche Menge an Passivrauch Gastronomiebeschäftigte am Arbeitsplatz genau aufnehmen.

Deshalb startet das BGFA - Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung eine international einzigartige Studie: Vom kommenden Samstag, 31. Mai bis Ende Juni misst das Institut der Ruhr-Universität Bochum mit hochempfindlichen, modernen Analysenmethoden, welcher Menge Passivrauch Gastronomiebeschäftigte ausgesetzt sind und wie viel davon tatsächlich in den Körper aufgenommen wird. Nur durch Kenntnis der aufgenommenen Passivrauchmengen kann abgeschätzt werden, welches Gesundheitsrisiko an entsprechenden Arbeitsplätzen vor-liegt. Unterstützt wird das BGFA von der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bermuda3Eck Bochum. In dem Zusammenschluss von mehr als 60 Gastronomien in der Bochumer Innenstadt werden Mitarbeiter bis zur Einführung des Rauchverbots wöchentlich untersucht. Als Untersuchungsmethode dient das sogenannte Biomonitoring. Dabei werden bestimmte Passivrauchkomponenten in Blut, Speichel und Urin als "innere Belastung" gemessen. Die Menge an Passivrauch in der Luft am Arbeitsplatz ("äußere Belastung") wird über Luftmessgeräte bestimmt, die die Studienteilnehmer während der Arbeitszeit tragen.

(Quelle: Pressemitteilung des BGFA - Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin).

Vielleicht hätte man einfach mal die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten fragen sollen, was denn deren Statistiken über Erkrankungen aussagen? Denen wären sowas sicherlich aufgefallen, wenn es sie denn gäbe: "Tabakrauch am Arbeitsplatz in der Gastronomie: Gesundheitsrisiken?". Der dort zuständige Prof. Dr. med. R. Grieshaber hat aber bereits im letzten Jahr festgestellt:
"Dass im Vergleich mit Versicherten anderer Gewerbe die Erkrankungsursache Passivrauch bei den Exponierten der Gastronomie gegenüber Nichtexponierten keine Rolle spielt, wird politisch einen Erdrutsch auslösen oder einfach ignoriert werden. Der Nachweis, dass es sich anders verhält als bisher angenommen kann jedoch geführt werden."
Der Hinweis wurde einfach ignoriert.