Sonntag, Juni 15, 2008

Wettbewerb wird deutschen Biermarkt neu ausrichten.

13.06.2008.
"Der deutsche Biermarkt wird seit Jahren kleiner, der Wettbewerb zwischen den 1.302 Braustätten steigt. Änderungen im Konsumverhalten der Bevölkerung sowie die soziodemographische Entwicklung sorgen dafür, dass der Alkoholkonsum seit Jahren stetig sinkt. Dieser Trend macht weitere staatliche Regulierungen und Einschränkungen überflüssig. Der mündige Bürger und Verbraucher reguliert den Markt überwiegend eigenständig. Die rückläufige Absatzentwicklung in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 1,8 Prozent stellt alle Akteure in der Zukunft vor Herausforderungen, jedoch bieten Tradition wie auch Innovationen Chancen für die Brauer"
erklärt der neu gewählte Präsident des Deutschen Brauer-Bundes e.V., Wolfgang Burgard, anlässlich der Jahrestagung und -pressekonferenz seines Verbandes am 13. Juni 2008 in Berlin.

Der deutsche Biermarkt verändert sich, so wie schon in der Vergangenheit. Er wies im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 2,7 Prozent beim Bierabsatz auf. Der Export stieg um 4 Prozent, was zeigt, wie beliebt das deutsche Bier im Ausland ist.
"Die positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und der Expansionskurs der deutschen Wirtschaft konnten leider 2008 keinen Sog auf die Branche ausüben. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten haben sich ebenso auf den Biermarkt ausgewirkt wie Rauchverbote in der klassischen Gastronomie"
so Burgard weiter.

Alkoholpolitisches Bedrohungspotential

Im Hinblick auf die alkoholpolitische Ausrichtung in Teilen der Bundespolitik und einigen beratenden Organen, wie dem Drogen- und Suchtrat, fordert Burgard dazu auf, von Plänen Abstand zu nehmen, Werbe- und Sponsoringverbote und Abgabebeschränkungen einführen zu wollen und Steuererhöhungen für Produkte oder ganze Bereiche in Erwägung zu ziehen.
"Schon heute sind die Brauer mit etlichen Initiativen in den Bundesländern aktiv. Wir werden diese Aktivitäten verstärken und uns vor allem auf folgende Punkte konzentrieren. Denn wir wissen, allein mit Gesetzen können wir das Problem nicht lösen, auch neue Gesetze helfen da wenig. Vielmehr müssen wir im Bereich der Vorbeugung und Aufklärung arbeiten"
ergänzt der Präsident des DBB. Und weiter:
  • "Prävention und Aufklärung werden von uns gezielt gestärkt. Zusätzlich muss die Diskussion über Missbrauch und die Stärkung des sozialen Umgangs miteinander auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet werden. Diejenigen, die nicht selbstverantwortlich, maßvoll handeln können oder wollen, müssen durch den Rahmen geltender Gesetze in ihre Schranken gewiesen werden und über die Konsequenzen ihres Handelns aufgeklärt werden.
  • Diejenigen, die gefährdet sind, müssen z.B. in ein soziales System eingebunden werden. Ganz besonders gilt es, Jugendliche vor Missbrauch zu schützen. Dazu müssten Maßnahmen entwickelt und das soziale Engagement in vielen Bereichen der Gesellschaft gestärkt werden. Erziehung, Information und ein gesundheitsbewusster Konsum müssen unterstützt werden.
  • Die Politik muss die Durchsetzung geltender Gesetze forcieren. Bestehende Gesetze bieten einen ausreichenden Handlungsspielraum, um Missbrauch zu ahnden und einzudämmen.
  • Die deutschen Brauer werden auch weiterhin ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden und den Dialog mit der Politik auf breiter Ebene verstärkt fortsetzen. Das Angebot der Kanzlerin, für diese gesellschaftspolitische Aufgaben Lösungen zusammen mit weiteren Verbänden an einem runden Tisch zu finden, wird von mir persönlich nachhaltig unterstützt und vorangetrieben. Es sollte schnell wahrgenommen werden. (Podcast der Kanzlerin vom 10. Mai). Geltende Gesetze, die Verhaltensregeln und Sanktionsmöglichkeiten durch den für die Brauer unabhängigen Deutschen Werberat sowie die im Deutschen Brauer-Bund einvernehmlich beschlossene Verhaltensregelung Brauer-Kodex bieten eine Handlungsbasis."
Kostensteigerungen durch Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie

Die Steigerung der Rohstoffkosten um z.T. über 100% innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat neben Preisanstiegen bei Glas, Energie, in der Logistik und im Bereich der Personalkosten dazu geführt, dass einige Brauer sich entschlossen haben, die Preise für einen Kasten Bier um 50 Eurocent bis 1 Euro anzuheben, die erste Preiserhöhung seit sechs Jahren.
"Eine wegen des starken Wettbewerbs in der Vergangenheit ausgebliebene Preisanhebung für unser wertiges Naturprodukt war aus Sicht des Branchenverbands längst überfällig"
fasst Burgard zusammen. International betrachtet ist Deutschland durch die Vielfalt der guten Biere und besonders was die weithin niedrigen Bierpreise betrifft, nach wie vor ein Verbraucherparadies.

Wertschätzung von Bier als Naturprodukt

Abschließend äußert sich Burgard noch einmal zum Produkt Bier:
"Bier hat in Deutschland an Image verloren, oft wird verkannt, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges und mit hoher Fachkompetenz hergestelltes reines Naturprodukt handelt. Es wird traditionell seit 1516 nach dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt hergestellt, das die deutschen Brauer mit großer Verantwortung bewahren. Es geht um Tradition aber auch um Qualität im Sinne der Wertschätzung der Verbraucher."
(Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Brauer-Bundes).