Mittwoch, Juni 11, 2008

Zahlentricks.

Im Vorfeld der heutigen mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts über drei von insgesamt 27 Verfassungsbeschwerden gegen das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie meint auch Martina Pötschke-Langer ihren Senf dazu geben zu müssen. Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums widersprach laut der Meldung "Krebshilfe warnt vor Aufweichung des Rauchverbots", in: Ad-hoc-news vom 11. Juni 2008, der Darstellung, daß Rauchverbote Kneipenwirten generell Umsatzverluste bringen:
"Nur Niedersachsens Getränkegastronomie habe nach dem Rauchverbot ab September 2007 in einem zuvor schon schlechten Jahr verstärkte Umsatzrückgänge und ein Minus von 22,3 Prozent im vierten Quartal verzeichnet, sagte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Martina Pötschke-Langer der Zeitung. In Hessen dagegen hätten Kneipen, Bars und Diskotheken mit einem Umsatzminus von 10,3 Prozent im selben Zeitraum genau im Bundesdurchschnitt gelegen. Mit Umsatzeinbußen von 6,8 Prozent lägen Baden-Württembergs Wirte sogar positiv im Trend im Vergleich zum Bundesdurchschnitt."
Von einer Frau, die den Nimbus einer Wissenschaftlerin nutzt, um ihre Meinung zu äußern, sollte man erwarten dürfen, daß sie nicht mit Zahlentricks zu verarschen versucht. In seiner Vorbereitung auf die heutige mündliche Verhandlung hat das Bundesverfassungsgericht das Statistische Bundesamt um offizielle Zahlen gebeten (siehe dazu: "Rauchverbote und Umsaetze im Gaststaettengewerbe"). Welche Tricks setzt Martina Pötschke-Langer ein, um sich diese offiziellen Zahlen schön zu reden?
  • Das Statistische Bundesamt hat korrekterweise die Umsätze in den Bundesländern mit Rauchverbot mit den Umsätzen in den Bundesländern ohne Rauchverbot vergleichen. Martina Pötschke-Langer vergleicht stattdessen die Umsätze in den Bundesländern mit Rauchverbot mit den Umsätzen aller Bundesländer. Absicht und Ergebnis sind klar: die Umsatzrückgänge fallen - ganz im Sinne der Trickserin - geringer aus.
  • Sie redet das Problem klein, in dem sie von "nur in Niedersachsen" spricht. Dabei ist 2007 das gesetzliche Rauchverbot ohnehin lediglich in den Bundesländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen in Kraft getreten. In allen drei Bundesländern hat das Rauchverbot laut amtlicher Statistik eindeutig zu Umsatzverlusten in der getränkegeprägten Gastronomie geführt.
Leider bildet die amtliche Statistik das eigentliche Problem ohnehin nicht adäquat ab: die massiven Umsatzverluste in Einraumkneipen und Diskotheken (insoweit das jeweilige Bundesland in Diskotheken Raucherräume nicht zuläßt). Die Erfahrungen der Betreiber dieser Betriebstypen aber zeigen, daß die in der amtlichen Statistik nachweisbaren Umsatzrückgänge in der getränkegeprägten Gastronomie verstärkt in diesen beiden Betriebstypen zu finden sind.http://www.abseits.de/weblog/2008/06/zahlentricks.html