Dienstag, Januar 19, 2010

Groupons.

Ein neuer Trend sind Gutscheine für Gruppen, sogenannte Groupons, benannt nach dem erfolgreichen Vorreiter Groupon.com. Siehe dazu: "Groupon-Fieber: 4 Millionen Euro für CityDeal – cooledeals startet". Eine Vielzahl von Anbietern stürzt sich in Deutschland ins Gefecht:Eine Übersicht bietet Couponteria.de.

Ich habe mir CityDeal.de einmal aus der Sicht eines Gastronomen angeschaut. Ein paar Gedanken dazu:
  • Gedruckte Gutscheine wie in Gutscheinbüchern sind träger. Es dauert länger, bis diese Bücher verkauft sind. Die darin abgedruckten Gutscheine haben eine längere Laufzeit. Deshalb können Gastronomen mit "Groupons" (und anderen Online-Gutscheinen) schneller reagieren.
  • Gutscheine mit hohen Rabatten eignen sich generell für Angebote mit freien Kapazitäten und mit niedriger Wareneinsatzquote, etwa persönliche Dienstleistungen wie Trainer, Ärzte (soweit vom Standesrecht erlaubt), Sport, Kochschulen, Veranstaltungen, Bars und hochpreisige Restaurants.
  • Der Rabatt in Höhe von etwa 50%, wie er bei einigen Angeboten bei CityDeal gewählt worden ist, ist höher als bei den üblichen 2:1-Varianten in Printwerken. Es wird nicht nur ein Essen rabattiert, sondern der gesamte Konsum (incl. weitere Gänge und Getränke). Andererseits dürfte bei einem Gutschein im Werte von etwa 50 Euro (pro Gast und Besuch) ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden. In den meisten Restaurants liegt der Bon pro Kopf darunter. Ein Draufzahlgeschäft wird je nach Kalkulationsschema bei mittel- und hochpreisigen Flaschenweinen. Ausschliessen sollte man möglichst auch Handelswaren, die mit einem hohen Wareineinsatzquote kalkuliert werden.
  • Man sollte die Einlösung von Gutscheinen auf Zeiten (bestimmte Wochentage oder Tageszeiten) beschränken können, in denen weniger los ist.
  • Die Rabatthöhe ist bei CityDeal vom Anbieter frei wählbar. Wobei weniger als 30% vermutlich wenig attraktiv sind).
  • Man kann die Gültigkeitsdauer des Gutscheins festlegen (abweichend von drei Monaten). Das macht dann einen Sinn, wenn man Umsatz in umsatzschwachen Monaten generieren will, insbeondere bei Betrieben mit saisonal schwankendem Geschäft.
  • Man kann eine Mindestanzahl von Gutscheinkäufern vorgeben, nicht aber die maximale Anzahl. Wobei das Risiko bei einer Dauer von einem Tag, an dem das Angebot gezeigt wird, vertretbar sein sollte.
  • Die Kosten fuer Gastronomen werden nicht offen gelegt. Formulierungen wie
    "Wie kann ich mein Unternehmen bei CityDeal präsentieren? Ganz einfach, schicken Sie uns eine Email: sales@citydeal.de oder rufen Sie uns einfach an: 0175 - 56 56 801 - wir beraten Sie gerne."
    machen mich misstrauisch. Ich empfehle solche Angebot ungern, weil sich dann Kollegen möglicherweise über die Höhe der Kosten beschweren, mit denen sie konfrontiert werden. Gutscheinbücher funktionieren in der Regel ohne weitere Kosten für den Gastronomen. Daß diese Bücher sich über ihren Verkaufspreis finanzieren, ist mir klar. Aber warum sollte ein Gastronom das Business Modell von citydeal finanzieren? Die AGB thematisieren in bezug auf die Kosten nur das Verhältnis citydeal und Gutscheinkäufer.
  • Ein gewisses Risiko sehe ich darin, dass der potentielle Gast an citydeal zahlt. Es waere sehr ärgerlich, wenn der Gastronom sein Geld dann nicht bekommt, aber trotzdem die Gutscheine einlösen muß. Laut AGB stehen Gastronomen für diese Gutscheine grade AGB:
    "Die Gutscheine werden von den einzelnen Partnergeschaften verkauft und nicht von CityDeal.de selbst. Die Webseite www.citydeal.de fungiert lediglich als Handelsplattform."
    Aber das Risiko ist begrenzt auf die Kosten der einzulösenden Gutscheine und angesichts der Geldgeber dieses Start-Ups wohl vernachlässigbar.
Generell sind alle Rabattangebote, die sich an Neukunden richten, meines Erachtens nur für Betriebe sinnvoll, die entweder neu eröffent worden sind (oder radikal relauncht worden sind) oder sich am oberen Wendepunkt des Lebenszyklusses befinden. Andere sollten auf ihre Stammgäste setzen. Mehr darüber in einem früheren Übersicht über "Coupons".